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Bin ich ein Messie?

Eine Frau mit Rucksack steht in einem Raum mit hunderten von Büchern. Chaotisch. Messie-Syndrom?

Was verbirgt sich hinter dem Messie-Syndrom?

Nicht jeder unordentliche Mensch ist gleich ein Messie!

Ich werde ganz oft gefragt, ob ich auch mit Messies arbeite. Meine Antwort lautet dann: Ich arbeite mit Menschen! Um der Frage nachzugehen, wer denn tatsächlich ein Messie ist (und wer eben nicht), möchte ich gerne Experten sprechen und aufklären lassen.

1) Die Sendereihe „37 Grad“

37 Grad (ZDF) hat eine sehenswerte Dokumentation herausgebracht, die würdevoll und einfühlsam über das Messie-Syndrom berichtet und noch dazu mit vielen gängigen Vorurteilen aufräumt: Zuhause im Chaos – Messies räumen auf. (Das Video ist in der ZDF-Mediathek verfügbar bis 03.09.2022).

Dort heisst es im Einleitungstext: „Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland haben das sogenannte Messie-Syndrom. Ohne professionelle Hilfe gelingt es ihnen kaum, sich vom zwanghaften Horten und Sammeln zu befreien.

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2) Jörg-Gösta Trottier von Tat-Werk

Jörg-Gösta von Tat-Werk aus Berlin gehört zu unserer Gruppe DieOrdnungsCoaches, die mittlerweile knapp 100 Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfasst. Sein Schwerpunkt liegt in der Beratung, Koordination und Organisation der Hilfe für Betroffene mit Messie-Syndrom.

Von ihm stammt die nachfolgende logistische Beurteilung bzw. Einteilung von Wohnungszuständen je nach Schweregrad von 1-6:

  1. Unordnung, aber sortenrein, Staub, Spinnweben
  2. Unordnung, nicht sortenrein, Staub, Spinnweben
  3. Unordnung, Vermüllung, Hygiene und Küche nutzbar, ohne Ungeziefer!
  4. Unordnung, Vermüllung und Hygiene und Küche nicht brauchbar, ggf. Ungeziefer
  5. Feuchtvermüllung mit wesenden Stoffen, komplett inkl. Hygiene und Küche, zusätzliche Cleaner nötig!
  6. Feuchtvermüllung, Hygiene unbrauchbar, Ungeziefer und Gesundheitsgefahr. Entmietungsgefahr, Kammerjäger und Allesabfuhr nötig.

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3) Der Berliner Mieterverein

Der Berliner Mieterverein hat in seinem Magazin einen Artikel von Lars Klaaßen veröffentlicht, der absolut lesenswert ist: Hilfe und Selbsthilfe für Messies – Wenn das Sammeln aus dem Ruder läuft. Den vollständigen und sehr ausführlichen Text können Sie unter dem grün markierten Link nachlesen.

Ich habe daraus folgendes erfahren und gelernt:

  • Messies überfordern sich oft mit dem eigenen Perfektionismus
  • Sie gewichten die Bedeutung der Dinge unzureichend oder schlecht
  • Aus einer Sammelleidenschaft erwachsen echte Probleme
  • Die Grenze von unordentlichen Menschen zu Messies ist fließend, es gibt keine klare Abgrenzung
  • Dem Syndrom können Störungen der Selbstregulation vorliegen
  • Unsere heutige Konsumkultur erhöht die Anzahl der Menschen mit Messie-Syndrom
  • Messies wollen eigentlich Ordnung halten, sind aber total überfordert
  • Ein 1. Schritt: Die Erkenntnis, Hilfe anzunehmen
  • Pragmatische Hilfe ist wichtig, einen Plan erstellen, kleine Ordnungsinseln schaffen.
  • 80% sind ausreichend
  • Messies verfallen ins Nicht-Handeln und sind desorganisiert
  • Das Syndrom gibt es in allen Altersstufen und Gesellschaftsschichten
  • Auslöser: Lebenskrisen (Trennung, Tod, Arbeitslosigkeit, Krankheit)
  • Die Wohnungen von Messies sehen sehr unterschiedlich aus
  • Messies ist ihr Zustand nicht egal, sie leiden darunter
  • Sie verfügen oft über ein geringes Selbstwertgefühl und sind schnell überfordert
  • Aufräumen ist für Messies körperlich und auch seelisch belastend
  • Viele Messies sind Singles, leben zurückgezogen und leiden unter Einsamkeit.

Konkret haben Messies folgende Schwierigkeiten: Sie

  • räumen Dinge, die sie benutzt haben, nicht wieder weg
  • bewahren zu viele Dinge auf
  • nehmen sämtliche Gebrauchsmöglichkeiten der Gegenstände zu sehr wahr
  • lassen etwas halbfertig liegen, weil etwas anderes interessanter ist
  • verlieren die Übersicht, weil durch zu viele Dinge ihr Haushalt so komplex wird
  • suchen oft nach verlegten Sachen (Schlüssel, Rechnungen …)
  • haben ein schlechtes Zeitgefühl
  • sind vergesslich, weil sie mit zu vielen Vorhaben gleichzeitig beschäftigt sind
  • haben Blockaden, die sie daran hindern, etwas zu erledigen, was sie dringend machen müssten
  • schieben unangenehme Tätigkeiten auf
  • werden ihrem Perfektionsanspruch nicht gerecht
  • berücksichtigen ihre eigenen Bedürfnisse nicht genügend
  • haben Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen.

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4) Anlaufstellen und Beratung beim Messie-Syndrom

Von Daniela Hoyer stammt der Film unter 1) Zuhause im Chaos. Sie sagt: „Im Internet suchte ich nach professionellen Hilfsangeboten für Menschen mit Ordnungsstörung und stellte fest, dass es für sie nur wenige Anlaufstellen gibt.

Diese Erfahrung habe ich bei meiner Recherche und bei diversen Telefonaten speziell für das Rhein-Main-Gebiet auch gemacht – sehr bedauerlich.

Letztendlich fand Hoyer dann Hilfe bei Wedigo von Wedel vom „H-Team“ e.V. Er will Menschen mit Messie-Syndrom beim Aufräumen ihres Lebens helfen. Von Wedel arbeitet für das H-Team, das die Messie-Hotline betreut.

Messie-Hotlinebundesweites Hilfetelefon für Menschen mit Messie-Syndrom.
Beratung dienstags von 9-12 Uhr und donnerstags von 15-18 Uhr. Vermittlung von Adressen in der Nähe und Hinweise zu Selbsthilfegruppen.

Anleitung bei WiKiHow – 4 Methoden, wie Sie einem Messie (vielleicht) helfen können.

Helfenden-Foren für Messies und Angehörige.

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Zum Schluss möchte ich die Ausgangsfrage, ob ich auch mit Messies arbeite, nochmals aufgreifen. Ich arbeite mittlerweile tatsächlich mit Menschen, die unter einem Hortezwang leiden, alleine nicht Aufräumen können und die Hilfe annehmen wollen. Je nach „Lage der Dinge“ entscheide ich allerdings ganz persönlich, ob meine Hilfe überhaupt ausreicht oder andere Unterstützung notwendig ist. Lassen Sie uns darüber reden: 06126-991575.